„Should of" oder „should have"? Kein Tippfehler, sondern die Schwachform /əv/
Selbst Muttersprachler schreiben ständig „should of", „would of", „could of", „must of". Grammatikbücher sagen, das sei falsch, richtig sei should have, would have, could have, must have – erklären aber nicht, warum so viele Muttersprachler genau denselben Fehler machen.
Die Antwort liegt nicht in der Grammatik, sondern in der Aussprache.
Dieses have wurde nie /hæv/ ausgesprochen
Allein gefragt – „What do you have?" – ist have /hæv/, voller Vokal, hörbares h. Aber das have nach einem Modalverb (should, would, could, must) steht nicht für sich: Es ist ein grammatisches Signal für das Perfekt. Und grammatische Signale folgen der allgemeinen Regel des Englischen – alles Unbetonte wird reduziert. Es fällt zu einem kurzen /əv/ zusammen – exakt derselbe Laut wie die Schwachform der Präposition of.
- should have → should've /ʃʊdəv/
- would have → would've /wʊdəv/
- could have → could've /kʊdəv/
- must have → must've /mʌstəv/
Das /əv/, das dein Ohr hört, ist identisch mit dem of in „a cup of tea". Das ist kein zufälliges Verwechseln – Englisch verdichtet tatsächlich zwei verschiedene Wörter in unbetonter Position zum selben Laut. Muttersprachler, die „should of" schreiben, verstehen die Grammatik nicht falsch – sie haben zuerst sprechen gelernt und versuchen später, einen Laut zu verschriftlichen, den sie nie als eigenständiges Wort gehört haben.
Noch einen Gang schneller verschwindet have zu /v/
In lockerer Aussprache verkürzt sich should've oft weiter zu /ʃʊdv/ – have bleibt nur noch als Reibelaut /v/ am Modalverb hängen.
- You should've told me. → /jə ˈʃʊdv təʊld miː/
Genau solche Sätze machen Hörverstehen schwer. Should, would, could und have kennt man einzeln alle – aneinandergereiht wartet das Ohr auf ein klares /hæv/, das nie kommt.
Wann kehrt have als klares /hæv/ zurück?
Die Regel ist einfach: Es hängt davon ab, ob nach have noch etwas folgt.
- I should have told you. → nach have folgt Inhalt (told you) → Schwachform /əv/
- I should have. → have steht am Satzende und trägt die Bedeutung allein → oft näher an der vollen Form /hæv/
Diese Logik gilt genauso für to, of, can: Solange das Wort nur grammatisch verbindet, wird es reduziert; sobald es die Bedeutung allein tragen muss, kehrt es zur vollen Form zurück.
So übst du es
Sprich zuerst „should have told me" mit einem deutlichen, vollen /hæv/ – bemerke, wie übertrieben das klingt. Sprich es dann noch einmal mit have als /əv/, und ein drittes Mal, verdichtet zu /v/. Die letzte Version klingt nach einer Abkürzung – genau diese Version ist die echte.
Unsicher, welche Wörter in einem Satz sich reduzieren und wie? PHONO liest jeden englischen Text per Kamera und markiert jedes Wort mit IPA, einschließlich Schwachformen und Betonung, mit britischer und amerikanischer Aussprache zum Anhören.