Warum "law and order" wie "law-r-and order" klingt, obwohl da kein r steht
In "law and order" gibt es kein r. Trotzdem hören sich britische Sprecher fast so an, als würden sie eins sprechen: „law-r-and order". Das ist kein Verhören und keine Nuschelei, sondern eine feste Regel des britischen Englisch, die kaum in Lehrbüchern steht.
Englisch wird in zwei Grundtypen gesprochen: rhotisch (amerikanisch) – jedes geschriebene r wird ausgesprochen – und nicht-rhotisch (britisches RP, australisches, neuseeländisches Englisch) – ein r am Wortende oder vor einem Konsonanten wird verschluckt. car heißt /kɑː/, far heißt /fɑː/; das r nach dem Vokal ist nur ein Überbleibsel der Schreibung.
Aber dieses „stumme" r bleibt nicht für immer stumm. Sobald das nächste Wort mit einem Vokal beginnt, taucht es wieder auf, um die beiden Wörter sauber zu verbinden. Das nennt man linking R:
- far away → /fɑːr əˈweɪ/
- here and there → /hɪər ənd ðeə/
- more and more → /mɔːr ənd mɔː/
Überraschender ist intrusive R: Manche Wörter haben überhaupt kein r in der Schreibung, enden aber auf /ə/, /ɑː/, /ɔː/ oder /ɜː/ – und wenn das nächste Wort mit einem Vokal beginnt, schieben nicht-rhotische Sprecher trotzdem ein r ein, rein um den Übergang zu glätten:
- idea of → /aɪˈdɪər əv/ – in idea steckt kein r
- law and order → /lɔːr ənd ˈɔːdə/
- media event → /ˈmiːdiər ɪˈvent/
- Africa and Asia → /ˈæfrɪkər ənd ˈeɪʃə/
Der Grund: Zwei Vokale direkt nebeneinander über eine Wortgrenze hinweg brauchen entweder eine kurze Pause (Glottisverschluss) oder einen leichten Übergangslaut. Für nicht-rhotische Sprecher ist r der naheliegende, bereits eingeübte Kandidat – linking R hat diesen Weg schon geebnet, intrusive R nutzt ihn einfach weiter, auch dort, wo gar kein r geschrieben steht. Das ist keine nachlässige Aussprache; Nachrichtensprecher und Professoren machen es genauso.
Wer amerikanisches Englisch anstrebt, kann sich das meist sparen: Amerikanisches Englisch ist rhotisch, ein geschriebenes r wird fast immer gesprochen, die Frage „gehört hier ein r hin" stellt sich gar nicht erst. intrusive R ist vor allem beim Hörverstehen britischer Sprache nützlich, nicht als Aussprachegewohnheit, die jeder Lernende übernehmen muss.
Am Anfang geht es nicht ums Nachahmen, sondern darum, nicht mehr davon überrascht zu werden: Achte beim Hören britischer Inhalte auf Strukturen wie „A and B" oder „A of B" und höre, ob zwischen den Vokalen ein leichtes r auftaucht. Wer britische Aussprache anstrebt, lässt es am besten als natürlichen Teil des verbundenen Sprechens entstehen, statt eine Liste von „Wörtern mit Extra-r" auswendig zu lernen – das klingt schnell aufgesetzt.
Nicht sicher, ob eine Aufnahme britisch oder amerikanisch ist, oder ob da wirklich ein r steckt? PHONO liest jeden englischen Text per Kamera und zeigt zu jedem Wort die Lautschrift – britische und amerikanische Aussprache zum Vergleich.