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Warum klingt "I am" wie "I yam"? Wenn zwei Vokale aufeinandertreffen, schummelt Englisch einen Laut dazwischen

Beim natürlichen Sprechtempo klingt I am ein bisschen wie "I yam", go on ein bisschen wie "go won". Der erste Gedanke ist meist: falsch gehört, oder falsch ausgesprochen.

Beides stimmt nicht. Es handelt sich um eine Gewohnheit, die in kaum einem Lehrbuch steht, aber in jedem Satz vorkommt: Zwei Vokale dürfen im Englischen nicht direkt aufeinanderprallen. Dazwischen muss etwas vermitteln.

Warum Vokale sich nicht direkt berühren

Konsonant plus Vokal ist unproblematisch – car is wird zu /kɑːr ɪz/, eine geschlossene Form gleitet in eine offene über. Zwei Vokale hintereinander sind der schwierige Fall: beide sind "offene" Gesten, die kollidieren. Entweder entsteht eine kurze Pause dazwischen (ein Kehlkopfverschluss, der abgehackt klingt), oder ein kaum hörbarer Konsonant überbrückt die Lücke. Muttersprachler wählen Letzteres – mit einem Laut, der in der Schreibung gar nicht vorkommt. Das nennt man einen Gleitlaut (glide), und es gibt nur zwei davon: /j/ und /w/.

Welcher Gleitlaut erscheint, hängt von der Mundform am Ende des ersten Worts ab

Endet das erste Wort auf einen gespreizten, vorderen Vokal oder Diphthong – /iː/ /ɪ/ /eɪ/ /aɪ/ /ɔɪ/ –, ist der Mund schon nahe an der /j/-Position (wie beim y in yes), und ein /j/ schiebt sich dazwischen:

Endet das erste Wort auf einen gerundeten, hinteren Vokal oder Diphthong – /uː/ /əʊ/ /aʊ/ –, ist der Mund schon nahe an der /w/-Position (wie beim w in we), und ein /w/ schiebt sich dazwischen:

Die Regel lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Endet der Mund gespreizt, kommt /j/. Endet er gerundet, kommt /w/. Man muss sich keine Wortpaare einzeln merken – es reicht, die Mundform des vorangehenden Vokals zu kennen.

Kein neuer Laut – nur zwei bekannte Laute in neuer Rolle

/j/ und /w/ sind vertraut: das y in yes, das w in we. Hier tauchen sie nur ohne eigenen Buchstaben auf, rein als Verbindungsstück zwischen zwei Vokalen. Wenn Sprache dadurch "verschmolzen" klingt, wurde nichts verschluckt – die Lücke zwischen zwei offenen Lauten wurde einfach geschlossen.

Übung: erst die Mundform bestimmen, dann den Gleitlaut ergänzen

Sucht euch ein paar Wortpaare "Vokal-Ende + Vokal-Anfang", bestimmt, ob das erste Wort gespreizt oder gerundet endet, und ergänzt entsprechend /j/ oder /w/. Am Anfang darf man den Gleitlaut ruhig etwas dehnen, um sein Gefühl dafür zu entwickeln – mit der Zeit wird er fast unhörbar kurz. Genau diese winzige Brücke sorgt dafür, dass ein Satz zusammenhängend klingt statt wie einzeln aufgereihte Wörter.

Unsicher, wo ein Satz einen Gleitlaut braucht oder welches Wort betont wird? PHONO liest jeden englischen Text per Kamera und zeigt jedes Wort mit IPA und Verbindungshinweisen, in britischer und amerikanischer Aussprache.