„close“ mit s oder mit z? Wenn aus einem Nomen ein Verb wird, wird der Endkonsonant stimmhaft
Du kennst house als „Haus" – aber house funktioniert auch als Verb: „to house refugees" (Flüchtlinge unterbringen). Beide Wörter werden gleich geschrieben. Nur: Sie werden nicht gleich ausgesprochen.
Das Nomen house endet auf /s/ – ein stimmloser Laut, nur Luft, die Stimmbänder bleiben still. Das Verb house endet auf /z/ – die Zungenposition ist identisch, aber jetzt vibrieren die Stimmbänder. Sprich beide hintereinander, und der Unterschied ist sofort da: /haʊs/ gegen /haʊz/.
Das ist kein Ausnahmefall. Es ist eine ziemlich verlässliche Regel im Englischen: Bei einer ganzen Gruppe von Nomen-Verb-Paaren wird der letzte Konsonant stimmhaft, sobald aus dem Nomen ein Verb wird.
Regel 1: Wörter auf -se – Nomen /s/, Verb /z/
- use – Nomen /juːs/ ("what's the use"), Verb /juːz/ ("to use something")
- close – Adjektiv/Adverb /kləʊs/ ("close to the station"), Verb /kləʊz/ ("close the door")
- abuse – Nomen /əˈbjuːs/, Verb /əˈbjuːz/
- excuse – Nomen /ɪkˈskjuːs/, Verb /ɪkˈskjuːz/
Besonders auffällig ist close: Die Schreibweise ändert sich überhaupt nicht. Allein der stimmhafte oder stimmlose Endlaut sagt einem Muttersprachler, ob ein Adjektiv oder ein Verb gemeint ist. Sprichst du beides als /kləʊs/, bleibt der Satz grammatisch korrekt – aber dein Gegenüber braucht einen kurzen Moment, um zu verstehen, welches der beiden gemeint war.
Regel 2: Bei manchen Paaren ändert sich sogar die Schreibung
advice (Nomen, „Rat") ist /ədˈvaɪs/. advise (Verb, „raten") ist /ədˈvaɪz/. Der Wechsel von c zu s in der Schreibung ist praktisch ein eingebauter Hinweis: Auch der Laut ist von stimmlos zu stimmhaft gewechselt. Genauso funktionieren device/devise.
Nicht nur bei /s/
Dieselbe Logik gilt für weitere Konsonantenpaare:
- f → v: belief (Nomen /bɪˈliːf/) → believe (Verb /bɪˈliːv/); shelf (/ʃelf/) → shelve (/ʃelv/); half (/hɑːf/) → halve (/hɑːv/)
- θ → ð: teeth (Nomen, Plural /tiːθ/) → teethe (Verb, „a baby teething" /tiːð/); mouth (Nomen /maʊθ/) → mouth (Verb, „to mouth the words" /maʊð/)
Was /s-z/, /f-v/ und /θ-ð/ gemeinsam haben: Zunge und Mund sind bei jedem Paar exakt in derselben Position. Der einzige Unterschied ist, ob die Stimmbänder mitschwingen. Diese Gewohnheit, beim Wechsel vom Nomen zum Verb stimmhaft zu werden, ist älter als die meisten heutigen Rechtschreibregeln – ein Überbleibsel aus einer früheren Stufe der englischen Aussprache, das genau auf diesen stimmlos-stimmhaft-Paaren gelandet ist.
So nutzt du das
Nicht jedes gleich geschriebene Nomen-Verb-Paar verändert sich so (walk und name klingen vorn wie hinten identisch) – die Regel gilt nur bei Wörtern, die auf s, f oder th enden. Begegnet dir also house, use, close oder belief, prüfe zuerst die Wortart, dann, ob der Endlaut stimmlos oder stimmhaft sein sollte. Zwei kurze Checks, und die Aussprache ist kein Ratespiel mehr.
Unsicher, ob ein Wort auf /s/ oder /z/, stimmlos oder stimmhaft endet? PHONO liest jeden englischen Text über die Kamera und markiert jedes Wort mit IPA – auch die Lautverschiebungen, die mit einem Wortartwechsel kommen, mit britischer und amerikanischer Aussprache zum Vergleich. https://apps.apple.com/us/app/phono-english-phonetics-ipa/id6783243417