poor und pour klingen für die meisten Muttersprachler heute gleich – dein Wörterbuch hat das noch nicht mitbekommen
Im Wörterbuch steht bei poor /pʊə/ (br.) oder /pʊr/ (am.), bei pour /pɔː/ (br.) oder /pɔːr/ (am.) – zwei klar unterschiedliche Vokale.
Hörst du echten Sprechern zu, vor allem jüngeren oder amerikanischen, klingen poor und pour praktisch identisch. Das liegt nicht an deinem Gehör. Es ist ein Lautwandel, der im Englischen längst im Gange ist.
Er hat einen Namen: die CURE-FORCE-Verschmelzung
Linguisten nennen den Vokal in poor, sure, tour den CURE-Vokal (/ʊə/ bzw. /ʊr/), den Vokal in pour, more, door den FORCE-Vokal (/ɔː/ bzw. /ɔːr/). Früher waren das zwei getrennte Klassen. Heute verschmelzen immer mehr Sprecher CURE mit FORCE – im britischen wie im amerikanischen Englisch, nur unterschiedlich stark.
Fast vollständig verschmolzen
- sure: fast alle sprechen es heute /ʃɔː(r)/, identisch zu shore.
- poor: meist /pɔː(r)/ – wie pour, pore, paw.
- moor, your: ebenfalls meist /ɔː(r)/.
Noch widerständig
- cure, pure, mature: halten /ʊə/ eher, besonders nach dem Gleitlaut /j/ (pure eher /pjʊə/).
- tour: am unstabilsten – formell eher /tʊə/, im Alltag oft /tɔː/.
Was das für dich bedeutet
Wer /ʊə/ auswendig gelernt hat, liegt nicht falsch, klingt aber etwas altmodischer als die meisten. Poor und sure wie pour und shore auszusprechen, bringt dich näher an das, was du tatsächlich hörst.
Unsicher, welche Aussprache heute wirklich benutzt wird? PHONO liest jeden englischen Text per Kamera und markiert jedes Wort mit IPA, in britischer und amerikanischer Aussprache – zum Abgleich mit echter Sprache statt nur mit dem Wörterbuch.