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Das S in „island" wurde nie gesprochen – ein Schreibfehler, der 600 Jahre überlebt hat

Die meisten stummen Buchstaben im Englischen folgen einer Regel. Das k in knight wurde früher tatsächlich gesprochen, bis der Lautwandel es tilgte. Das b in comb verschwindet systematisch nach m am Wortende. Das s in island dagegen folgt gar keiner Regel – es war von Anfang an ein Irrtum.

Ein Fehler, der gebildet wirken sollte

Altenglisch schrieb das Wort iland oder igland, von Wurzeln für „Wasser" und „Land". Mit dem lateinischen insula („Insel") hat das nichts zu tun – das Wort, das tatsächlich von insula abstammt, ist isle, über Altfranzösisch ins Englische gelangt, und isle trug dieses s schon immer, auch wenn das Französische es selbst nie aussprach. Mittelalterliche Schreiber bemerkten, dass island und isle fast dasselbe bedeuten, hielten sie für verwandt und übertrugen das s aus isle auf island, um es „echter" wirken zu lassen. Die Schreibung blieb. Die Aussprache folgte nie. Island heißt bis heute /ˈaɪlənd/ – das s war stumm, seit es aus Versehen hinzugefügt wurde, und wir zahlen 600 Jahre später noch dafür.

Zwei Gruppen von „dekorativem" S

Die erste Gruppe ist die Familie von island selbst – Wörter, in denen das s einfach nicht gesprochen wird:

Diese drei kann man als Reimtrio lernen: aisle und isle klingen beide /aɪl/, island ist einfach dasselbe plus /ənd/.

Die zweite Gruppe sind französische Lehnwörter. Das Französische lässt selbst sehr viele wortfinale Konsonanten verstummen, und diese Gewohnheit kam mit den Wörtern ins Englische:

Wie man sich das merkt, ohne stur auswendig zu lernen

Statt eine Regel auf beide Gruppen zu pressen, behandelt man sie getrennt. Island, aisle und isle klingen und schreiben sich ähnlich genug, um sie einfach als Reimtrio zu behalten. Für die französischen Lehnwörter gibt es einen groben, aber verlässlichen Hinweis: Sieht ein Wort „nicht englisch" aus – Endung auf -is, -ois, -ous, oder man erkennt auf Anhieb die französische Herkunft –, geht man erst mal davon aus, dass das End-S stumm bleibt. Diese Vermutung liegt weit öfter richtig als die Annahme, jeder Buchstabe werde gesprochen.

Unsicher, welchen Buchstaben du bei einem Wort überspringen sollst? PHONO liest jeden englischen Text über die Kamera und markiert jedes Wort mit IPA, mit britischer und amerikanischer Aussprache – Wörter wie island oder debris sind dann kein Rätsel mehr.
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