they klingt wie day? Warum aus th ständig t oder d wird
Dass think nicht wie sink klingen soll, hat inzwischen fast jeder gehört. Weniger bekannt ist eine zweite, leisere Verwechslung: th wird zu t oder d. Aus they wird day, aus than wird Dan, aus though wird dough. Für sich genommen klingt das nach einem harmlosen Akzent – im Satz zwingt es die Zuhörenden aber jedes Mal kurz zu überlegen, welches Wort eigentlich gemeint war.
Kein Zufall, sondern die nächstliegende Ersatzstelle
/θ/ und /ð/ entstehen an einer im Deutschen ungenutzten Stelle: Die Zungenspitze liegt locker an der Rückseite der oberen Schneidezähne oder ragt leicht zwischen die Zähne, und die Luft strömt von dort ununterbrochen ab. Da das Deutsche keinen Laut an dieser Stelle kennt, springt die Zunge auf eine vertraute Position aus – den Zahndamm hinter den oberen Schneidezähnen, wo /t/ und /d/ gebildet werden. Die Position liegt nah beieinander, die Mechanik aber nicht: /t/ und /d/ sind Verschlusslaute – der Luftstrom wird komplett gestoppt und dann schlagartig freigegeben. /θ/ und /ð/ sind Reibelaute – die Luft fließt die ganze Zeit weiter, ohne Stopp und ohne Knall.
Wortpaare zum Vergleichen
- they /ðeɪ/ vs day /deɪ/ – bei they strömt die Luft ununterbrochen zwischen den Zähnen ab, bei day wird sie am Zahndamm gestoppt und dann freigegeben
- than /ðæn/ vs Dan /dæn/
- though /ðəʊ/ vs dough /dəʊ/
- thank /θæŋk/ vs tank /tæŋk/
- thin /θɪn/ vs tin /tɪn/
- both /bəʊθ/ vs boat /bəʊt/ – gleicher Vokal, nur das Wortende unterscheidet sich zwischen Reiben und Stoppen
Ein Selbsttest: lässt sich der Laut halten?
/θ/ und /ð/ sind Reibelaute und lassen sich beliebig lange halten – „θθθθθ", „ðððð" – die Luft fließt einfach weiter. /t/ und /d/ sind mit dem Verschluss sofort vorbei; ein „t" lässt sich nicht in die Länge ziehen.
Testen Sie es an Ihrem eigenen th: Sprechen Sie den Anfang von think und versuchen Sie, diesen ersten Laut zwei volle Sekunden zu halten. Bleibt das Reiben gleichmäßig bestehen, sitzt die Zungenspitze wirklich an den Zähnen. Kippt der Laut sofort in den Vokal, hat die Zungenspitze vermutlich den Zahndamm berührt – dann war es ein t.
Am besten übt man zuerst ein einzelnes, gut unterscheidbares Paar: they / day, zehnmal langsam im Wechsel. Danach than/Dan und though/dough, und zum Schluss ein ganzer Satz: „They both think it's thin" – vier th-Laute in einer Zeile, jeden einzeln kontrolliert.
Nicht sicher, ob Ihr th als t oder d ankommt? PHONO liest jeden englischen Text per Kamera und markiert jedes Wort mit IPA, mit britischer und amerikanischer Aussprache zum Vergleichen. https://apps.apple.com/us/app/phono-english-phonetics-ipa/id6783243417